Anwaltskanzlei Kiehm

Tel. 089- 3233620

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Rechtsanwalt

Christof Kiehm

Sonnenstr.1 (Stachus)

80331 München

 

Reiserecht:

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  Teil 3: Geltendmachung aller Ansprüche

 

 

Teil 1: vor  der  Reise:

Reiseauswahl -Buchen der Reise

 

 

-kleine Urteilssammlung

Teil 2: bei  der  Reise:

Reisemangel/Abhilfe am Reiseort

 

-Frankfurter Tabelle

Teil 3: nach der Reise: 

Geltendmachung aller Ansprüche

 

-FAQs

 

 

 

Teil 3: Geltendmachung der Ansprüche zu Hause

 

 

Der Fall: Sie kommen zurück aus dem Sommerurlaub, packen Ihre Koffer aus, wollen den ganzen Urlaubsärger erst einmal vergessen und den restlichen Spätsommer zu Hause genießen. Das ganze hat ja noch Zeit, graue verregnete Novembersonntage zum Erledigen solcher Angelegenheiten kommen früh genug ?

 

Mitnichten !

 

Bei Reisemängeln heißt es höchste Eisenbahn. Der Gesetzgeber hat für Reisemängel eine extrem kurze Ausschlussfrist von nur einem Monat nach vertraglichen Reiseende gesetzt.

 

Dies hat durchaus seinen guten Grund, weil der Reiseveranstalter natürlich die Möglichkeiten haben muss, bei der Hotelleitung u.ä. zeitnah nachzufragen. Gleichwohl ist natürlich die Frist von nur einem Monat extrem kurz.

 

Sollte die Frist nur um kurze Zeit verstrichen sein, kann man natürlich prüfen, ob nicht wegen Krankheit u.ä. die Frist doch noch eingehalten werden kann; ebenso kann man auf die Kulanz des Reiseveranstalters hoffen.

 

 

Was bedeutet Geltendmachung ?

Geltendmachung bedeutet, dass gegenüber der vom jeweiligen Reiseveranstalter bezeichneten Stelle (in aller Regel der Reisveranstalter selbst) der konkret bezeichnete Mangel mitgeteilt wird und für den Reiseveranstalter klar wird, dass genau er deswegen in Anspruch genommen wird. Ob eine genaue Bezifferung des Anspruchs notwendig ist, ist strittig, der BGH  hat auf den konkreten Fall bezogen auch eine Geltendmachung ohne Bezifferung für ausreichend erachtet. In jedem Fall ist eine bloße Mitteilung von Mängeln verbunden mit der Ankündigung noch Ansprüche geltend zu machen zu wollen nicht ausreichend.

Wichtig: das Reisebüro ist normalerweise vom Reiseveranstalter/zuständige Stelle verschieden und darum normalerweise nicht die richtige Adresse. Zwar sind in vielen Fällen Reisebüros zugleich auch als sog. Handelsvertreter des Reiseveranstalters zu sehen und damit auch berechtigt, Erklärungen in Vertretung/fristwahrend in Empfang zu nehmen. Doch ob dem so ist, ist für den Reisenden meistens nicht gut erkenntlich. Wichtig ist weiter, dass es auf den Zeitpunkt des sog. Zugangs ankommt; d.h. der Zeitpunkt zu dem normalerweise mit der Öffnung von Post zu rechnen ist; es ist nicht ausreichend den entsprechenden Brief noch rechtzeitig abgeschickt zu haben.

 

Einschreiben mit Rückschein ?

Vielfach hört man den Ratschlag fristwahrend Schreiben nur per sog. Einschreiben mit Rückschein abzuschicken. Dagegen ist vom Prinzip auch nichts zu sagen. Aber abgesehen davon, dass ein solches Einschreiben mit zusätzlichen Kosten verbunden ist und dass dadurch die Post auch nicht schneller ankommt, wird dadurch nur bewiesen, dass die andere Seite von Ihnen Post erhalten hat. Was für Post die andere Seite erhalten hat, ist damit nicht bewiesen; jedenfalls in der Theorie könnte die andere Seite in wahrheitswidrig/strafbarer Weise behaupten es wäre nur ein leerer Umschlag angekommen.

Sinnvoller erscheint es da fast schon das Schreiben so frühzeitig vor Ablauf der Frist abzuschicken, dass man die Gegenseite noch um eine kurze umgehende Eingangsbestätigung bitten kann. Erfolgt dann keine Antwort und droht die Frist abzulaufen, kann man notfalls immer noch ein Einschreiben mit Rückschein abschicken.

Eine andere Möglichkeit, aber im Reiserecht leider selten praktikabel, ist der direkte Einwurf des Schreibens beim Reiseveranstalter bzw. der zuständigen Stelle unter der genannten Adresse. Wichtig ein Freund/Bekannter als Zeuge sollte beim Einwurf dabei sein und sich das Schreiben vorher durchgelesen haben; bzw. ein Freund/Bekannter als Zeuge liest sich das Schreiben durch und wirft es dann ein. 

 

 

Wer kann die Ansprüche geltend machen ?

Bei einer normalen (Familien)reise kann grundsätzlich der unmittelbare Vertragspartner alle Ansprüche aller Reiseteilnehmer geltend machen. Unmittelbarer Vertragspartner ist normalerweise derjenige der die Reise gebucht hat, also derjenige an dessen Namen und Adresse die Reiseunterlagen geschickt werden und der die Reise auch alleine bezahlt hat.

Familienreise ist aber nicht wörtwörtlich zu verstehen, sondern die gleiche Konstellation besteht normalerweise auch dann, wenn bspw. zwei Personen zusammen ein Zimmer nehmen.

Vorsichtig sein sollte man allerdings, wenn nicht der unmittelbare Vertragspartner sondern ein anderer Reiseteilnehmer die Mängel geltend machen will. Dies ist zwar an sich möglich, nur sollte er soweit er den/die anderen vertritt unbedingt von jedem der anderen eine Originalvollmachturkunde dem Schreiben beifügen. Andernfalls riskiert er insoweit Zurückweisung wegen fehlender Vollmacht (in einem etwas anderen Fall hat jedenfalls die Rechtsprechung so entschieden)

Im übrigen lässt sich nur anhand des Einzelfalles prüfen, ob nicht anstelle der Familienreise, doch mehrere seperate Reiseverträge geschlossen wurden oder eine sog. Gruppenreise, für die dann wiederum Besonderheiten gelten.

 

 

Anwalt Ja oder Nein ?

Ob Sie Ihre Ansprüche selber geltend machen wollen oder ob Sie sich davor zumindestens von einem Anwalt beraten lassen, können und müssen Sie selber entscheiden.

Ist bspw. schon von Seiten des Reiseveranstalters mehr oder weniger der Reisemangel bestätigt worden und steht eine ordentlich aktzeptable Entschädigung zu erwarten, mag man durchaus die Geltendmachung von Mängeln als unproblematische Formsache betrachten. Ansonsten sollten Sie genau wissen, welche Ansprüche (einzelne Forderungsposten), in welcher Höhe Ihnen zustehen. Bei einer zu niedrigen Forderung ist der Rest praktisch verschenkt; bei einer Forderung zu viel, wird sich der andere mit oder ohne eigenen Anwalt zu verteidigen wissen. In der Regel sind Reiseveranstalter tagtäglich mit Mängelforderungen konfrontiert und von da aus „erfahrene Profis“.

 

 

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